"Das Leben
ist viel
zu kurz
um
schlechtes Essen
zu essen"

Plachutta - ein Stück österreichische Geschichte essen

Plachutta - ein Stück österreichische Geschichte essen

Eigentlich wollten wir hier über unbekanntere kulinarische Plätze schreiben - jene Plätze, die das bestimmte Etwas haben, vielleicht noch nicht so bekannt, aber "entdeckenswert" sind ... einfach "wosgutisst".

Der Plachutta fällt sicher nicht in diese Kategorie ... zu bekannt, fast schon aufdringlich bekannt. Im ersten Bezirk und auch in Hietzing kommt man nicht daran vorbei, und auch die Kochbücher haben mittlerweile so etwas wie österreichischen Kultstatus erreicht. Wer über 30 hat nicht zumindest eines der Plachutta Kochbücher auffällig in der Küche aufgestellt , als wolle er damit  sagen: "schau, hier wird gute Wiener Küche gekocht ...".

Der Kaiser wars wohl, der die Grundlage für den Erfolg der Plachuttas gelegt hat. Vielfach zitiert und beschrieben die Leidenschaft des Kaisers für gekochtes Rindfleisch ... ein Tafelspitz sollte es angeblich zu besonderen Anlässen gewesen sein. Damit hat der Kaiser wohl der kulinarischen Seele Österreichs eine Identität für viele Jahrzehnte und wahrscheinlich Jahrhunderte gegeben. Und darum geht es, wenn man beim Plachutta essen geht: um die kulinarische Seele Österreichs.

Nein, das Lokal ist sicherlich nicht gut eingerichtet ... eher hat man den Eindruck, der Kaiser persönlich hätte noch das eine oder andere Möbelstück oder die eine oder andere Tapete ausgesucht ... vermischt mit einer Deko, die man zuvor kaum weniger liebevoll gesehen hat.

Auch der Freundlichkeit des Personals halber wird man hier nicht herkommen. Man überlegt lange, ob es latente Wiener Unfreundlichkeit ist, die einem hier begegnet, oder einfach nur eine gewisse professionelle Gehetztheit bedingt durch die stetig hohe Auslastung und Frequenz ... am Ende des Nachdenkens fühlt es sich einfach nur wie ein durchgängiger Entzug von Freundlichkeit an (der am Standort Wollzeile noch etwas ausgeprägter ist).

 

Und zugegeben, haben wir auch schon anderswo gekochtes Rindfleisch (nicht nur den Tafelspitz) ähnlich gut, nobel und exquisit gegessen. 

Doch nur hier kann man Rindfleisch so authentisch essen! Während man in anderen Lokalitäten Rindfleisch aus Zufall oder Tagesverfassung wählt, fährt man fast missionarisch zum Plachutta um Rindfleisch zu zelebrieren.

Wenn man den Plachutta kennt, kommt man in der Erwartung, aus dem vielfältigen Angebot auf der Speisekarte (und zugegeben, die meisten Leute kennen ausser der Mittelseite mit dem Rindfleisch die restliche Speisekarte gar nicht) sich ein gutes Stück (sich jedes Mal ein anderes vornehmen, um dann doch wieder beim Tafelspitz zu landen) auszusuchen, dann einen schönen Kupferkessel serviert zu bekommen, sich mit der bestellten Einlage erstmals eine gute Suppe zu gönnen, und noch einen Nachschlag zu nehmen, weil es so gut ist. Dann das Rindfleisch auf den Teller zu geben, mit Semmelkren, Apfelkren und den Rösterdäpfel, am besten auch Spinat ... parallel die Markscheibe auf getoasteten Schwarzbrot mit ein wenig Salz und Pfeffer geniessen.

 

Und das bekommt man auch ... genau so. Jedes Mal. Und jedes Mal ist es ein Genuss. Und ich bin mir sicher, der eine oder andere ging mit dem Gefühl, neben dem Kaiser ein Stück Geschichte gegessen zu haben.

Das Essen lässt die altmodisch anmutende Einrichtung vergessen (ab Beginn des Essens achtet man ja eh nur auf die Kupferkesseln), und der Entzug von Freundlichkeit ist auch nur mehr dann spürbar, wenn man sich traut, ein zweites Bier zum Tafelspitz zu  bestellen.

Die Nachspeisen sind gut, aber ehrlich gesagt, wer sich die Zelebration des Rindfleisches mit einem Nachtisch zerstört, der ist hier wohl an der falschen Adresse.

Wir kommen auf jeden Fall wieder. Weil es hier ein kaiserliches Rindfleisch-Erlebnis zu zelebrieren gibt, dessen Qualität ausgezeichnet und kontinuierlich ist. Und weil die Plachuttas mit Ihrem Dasein die kulinarische Seele Österreichs hochhalten!

Und wer ein Stück Österreichische Seele zu Hause kochen will, dem seien hiermit die Kochbücher der Plachuttas (ohne Anspruch auf Vollständigkeit) nahegelegt:

TOP in 2016

TOP in 2016

Labstelle - da haben wir wieder einmal gut gela(e)bt

Labstelle - da haben wir wieder einmal gut gela(e)bt