"Das Leben
ist viel
zu kurz
um
schlechtes Essen
zu essen"

Das Steirereck am Pogusch - die Mutter aller Wirtshäuser wird älter

Das Steirereck am Pogusch - die Mutter aller Wirtshäuser wird älter

Was haben wir uns nicht darauf gefreut. Gut 10 Jahre ist unser letzter Besuch her - dazwischen vielfache vergebliche Versuche, kurzfristig (also, so 4-6 Wochen im Voraus) einen Tisch zu bekommen - zu den Hauptessenszeiten eine Mission Impossible. Gern erinnern wir uns noch an den Wurzelspeck, die "begehbare Weinkarte", die professionelle Bedienung, das selbstgemachte Vanilleeis, die urige Toilette, die Ziegen vor dem Haus und noch vieles mehr ....

Wir machen uns also auf den Weg. Immerhin liegt der Pogusch ja nicht ganz so zentral, aus Wien immerhin gute eineinhalb Stunden Fahrzeit. Für ein ausgezeichnetes Essenserlebnis macht man das ja gerne!

 

Und da sind auch schon die Ziegen, die uns vor dem Haus begrüssen. Ansonsten hat sich äusserlich nicht viel verändert ... der Parkplatz ist voll und das Wirtshaus von aussen urig und sympathisch. 

Der Empfang ist freundlich und wir sitzen im Wintergarten - die wohl gelungenste Mischung aus hell, urig und doch irgendwie nobel.

Vor uns am Tisch liegt der bekannte Wurzelspeck und Verhackertes, was wir zu unserem Aperitif essen. Dazu angeboten werden unterschiedlichste Säfte aus dem Haus, von Uhudler-Traubensaft bis zum angeblich "besten Apfelsaft von Österreich". 

Beef Tartare mit getoastetem Brot

Beef Tartare mit getoastetem Brot

Als Vorspeise nehmen wir eine exzellente Klachlsuppe und ein tolles Beef Tartare. Wir bereuen es schon, zu viel vom Wurzelspeck gegessen zu haben. 

Die Portionen sind hier wirklich "g'standen". Man möge Hunger mitbringen. Das Beef Tartare ist gut gewürzt, dazu gibts trotzdem noch eine Gewürzpaste, die dem Ganzen noch mehr Geschmack gibt.  

Dazu trinken wir das Hausbier, welches wunderbar nach Hopfen schmeckt. 

Als Hauptgang wählen wir das Lamm vom Pogusch (wird als Superfood gepriesen), ein Rosmarin Huhn und Reh Gulasch. Wir lernen, dass das Wirtshaus am Pogusch ursprünglich als Fleischlieferant fürs Restaurant in Wien gedient hat.

Ja, man lernt überhaupt viel hier im Steirereck. Überall gibt es Kärtchen, Karten und Erklärungen. Praktischerweise wird auch gleich alles zum Kauf angeboten, vermutlich ein Stück Steirereck für zu Hause, damit man nicht immer den weiten Weg zum Pogusch antreten muss.

Während wir auf den Hauptgang warten, machen wir einen Ausflug in den Weinkeller: "der begehbaren Weinkarte". Da hat sich nicht viel geändert. Die Auswahl ist gut und die Weine sind fair bepreist - hier findet jeder Geschmack und jedes Budget ein passendes Fläschchen. Vor 10 Jahren waren wir fasziniert, mittlerweile haben wir das schon mehrfach gesehen, so urig wie im Steirereck hat es aber keiner hinbekommen.

Das Lamm vom Pogusch

Das Lamm vom Pogusch

Das Lamm ist spitze, die Qualität des Fleisches ist sensationell. Die Polentabeilage passt perfekt und auch der empfohlene offene Wein, ein österreichischer Burgunder, harmoniert. Da lohnen sich die Kilometer zum Pogusch.

Das Rehgulasch kommt ein wenig schräg: wir erwarten ein Rehgulasch, welches nach Wild schmeckt und einem zarten Rehfleisch den Vortritt gibt und bekommen ein typisches (papriziertes) Gulasch, offensichtlich mit Rehfleisch. Naja, da haben wir uns wohl geirrt, das hätten wir nicht gebraucht. 

Das Rosmarinhähnchen

Das Rosmarinhähnchen

Dafür ist das Hühnchen wieder sehr gut. Sehr saftig und die "Karotte Allerlei" passt super dazu.

Da die Portionen - wie schon beschrieben - mehr als mächtig sind, verkraften wir das Rehgulasch und erfreuen uns an den beiden anderen Hauptgängen.

Die Nachspeisenkarte zwingt sich nicht auf und da wir ohnehin schon von den mächtigen Portionen gesättigt sind, nehmen wir Kaffee.

Ein kleines Eis zu Kostprobe darf es sein - das ist wirklich sehr gut. Das nächste Mal werden wir den Wurzelspeck reduzieren, um Platz für eine Käseplatte zu sparen. Die sehen nämlich auf den Nebentischen sehr gut aus - ist ja immerhin auch Chefsache. Reitbauer senior bereitet diese voller Akribie und Hingabe zu. 

Wir sind satt und zufrieden. Wir (wenn wir das Rehgulasch weglassen) haben ausgezeichnet gegessen und getrunken und wir wurden sehr freundlich und äusserst professionell bedient.

Vor zehn Jahren fühlte sich  das Wirtshaus Steirereck aber irgendwie origineller an. Damals waren wir überwältigt von dieser urigen Atmosphäre und dem ausgezeichneten Essen.

Heute wird einem eine Tendenz zur Systemgastronomie vermittelt: zu viele Schilder, zu viele Dinge, die man auch kaufen kann (dass vor der Toilette auf einem Tisch Geschirr zum Verkauf ausgestellt ist, erinnert dann doch eher an eine Autobahnstation, wo man noch ein Souvenir mitnimmt) - alles ein wenig zu kommerziell und das braucht es einfach nicht!

Es besteht die Gefahr, Originalität und Authentizität zu weit zu treiben.

ABER - wir wollen wiederkommen. Man sollte das Gefühl "Steirereck am Pogusch" eben nicht kaufen dürfen, sondern es muss ein Erlebnis bleiben. Das Essen ist sehr gut, das Ambiente unvergleichlich. Es ist an der Zeit, dass das Steirereck wieder zur "Mutter aller Wirtshäuser wird" und sich auf seine Wurzeln zurückbesinnt.

Labstelle - da haben wir wieder einmal gut gela(e)bt

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Jeitler im Steinfeldhof - so geht Gasthaus!

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